Die Zeiten, in denen die Musikindustrie nur durch den klassischen Verkauf von Vinyls und CDs leben konnte, sind längst vorbei. Im Internet-Zeitalter haben sich den Nutzern andere Möglichkeiten geboten, ihre Musik zu beschaffen. Ob das Ganze nun legal ist und ob dabei jemand eventuell zu Schaden kommen könnte, zählt da erstmal nicht. Das Prinzip klingt einfach und einleuchtend: „Wieso für etwas bezahlen, dass man auch kostenlos bekommt?“
Deswegen geht es der gesamten Industrie zurzeit nicht sehr gut, denn die Zahlen von illegalen Downloads steigen stetig.
Selbst harte Strafen können kaum jemanden abschrecken, sondern verleiten noch eher dazu, gerade aus Trotz gegenüber der Industrie weiterzuladen. Hinzu kommt, dass die legalen Download-Alternativen (musicload & Co) durch den teils extrem hohen Preis und die geringe Auswahl sich selbst disqualifizieren. Da haben die illegalen Seiten nach wie vor die Nase vorn. Und wer hat nicht zu Hause eine gebrannte CD liegen? Das Ganze ist zu einem Volkssport geworden, bei dem sich keiner wirklich bewusst ist, dass die illegalen Downloads auf Dauer der Musik nur schaden. Die Industrie erkennt aber auch einige Probleme nicht (zu große Auswahl, zu viele Billig-Produktionen) und so besteht auf beiden Seiten noch enormer Nachholbedarf.
Ein Lösungsversuch…
Mit last.fm geht man in die richtige Richtung. Hand in Hand mit den Möglichkeiten des Web2.0 versucht man seit 2002 einen Weg aus der Krise zu finden. Im ersten Moment erscheint last.fm nur wie ein Audioscrobbler, dass heißt, er listet einfach nur die gehörten Musik-Titel auf und sammelt diese für jeden Benutzer in einer Statistik. Nun könnte man den Betreibern genauso wie Google eine Sammelwut unterstellen, doch der Eindruck trügt. Natürlich werden Daten gesammelt, aber nicht zu kommerziellen Zwecken, sondern um für jeden Hörer den geeigneten Musikgeschmack zu finden und ihm ein maßgeschneidertes Internet-Radio anzubieten. Inzwischen lassen sich viele Lieder auch auf Anfrage komplett anhören. Dabei ist das Angebot kostenlos, und trotzdem legal. Die Seite finanziert sich durch Werbung und Premium-Angeboten mit weiteren Funktionn, die jedoch nicht unbedngt notwendig sind. Durch die Einnahmen wiederum kann man das Angebot finanzieren. Somit kommt auch die Musikindustrie zu ihrem Geld.
Das Angebot erstreckt sich über Musik, Videos bis hin zu ausführlichen Informationen zu bestimmten Interpreten, sowie der Möglichkeit, eine eigene Radiostation zu erstellen. Desweiteren gibt es die Möglichkeit, andere Leute mit einem ähnlichen Musikgeschmack zu finden und sich mit ihnen über bestimmte Künstler oder Lieder auszutauschen und so neue Freunde zu finden. Man kann sich auch in bestimmte Gruppen einklinken und findet so noch schneller und leichter Gleichgesinnte. Damit bietet last.fm neben der kostenlosen und legalen Musik eine große Community-Plattform an.
Verschiedene Meinungen…
Obwohl die Musikindustrie von diesem Konzept nur profitieren kann in einer Zeit, wo der illegale Download kaum zu bekämpfen ist, gibt es auch einige Menschen, die sich über last.fm beklagen. Demnach sind die Summen, die für die Musiker übrig bleiben, einfach zu niedrig. Bedenkt man aber, dass die Künster via last.fm auch Konzert-Karten und kostenpflichtige Downloads vermarkten können, erscheint dieser Vorwurf eher übertrieben.
Ich persönlich nutze auch last.fm schon seit einigen Jahren und bin mit dem Programm sehr zufrieden. Die Seite findet man hier. Zur Nutzung des Angebots benötigt man nur die kostenlose Software und einen kompatiblen Media-Player (u.a. Windows Media Player, WinAmp, iTunes + iPod).
